Beiträge getaggt ‘Medienrecht’

Cybersquatting: Sex sells. Bald auch mit Ihrem Firmennamen?

Geschrieben von K. Kopp am . Gepostet in Digital.

Professor Siegfried Vögele aus Gelting bei München ist ein herzensguter Mann, das sieht man auf den ersten Blick, und gegen sein „DMI Institut für Direktmarketing“, für das er sinnigerweise unter der Domain voegele.de eine Website betreibt, die übrigens, das aber nur ganz nebenbei bemerkt, ein wenig aufgefrischt gehört, dürfte überhaupt gar nichts sprechen. Topseriös, überhaupt gar keine Frage, nicht im Mindesten.

Umso mehr aus allen Wolken würde Professor Vögele daher vermutlich fallen, wenn jemand seinen Nachnamen im Imperativ Präsens aktiv auffassen würde, sich dessen um die TLD .xxx ergänzt bediente und eine Website mit fragwürdigem und konkret kopulationsanweisungsbezogenem Inhalt anböte.

Genau das könnte Professor Vögele aber demnächst widerfahren. Gerade die sogenannte Adult-Content-Industrie hat das Wachstum des Internets maßgeblich befördert, einen eigenen Namensraum gab es für sie bislang jedoch nicht. Dies wird sich alsbald ändern:

Der Start des neuen Internetdomain-Systems für Anbieter pornographischer Websites rückt nämlich näher. Ab 06.12.2011 wird es gleichsam für jedermann möglich sein, Domains mit der neuen TLD .xxx zu registrieren. Die Registrierung findet wie üblich in mehreren Phasen statt:

Copyright Claims: Betrug bei YouTube durch falsche Urheberrechtsansprüche

Geschrieben von K. Kopp am . Gepostet in Digital.

„Netcom Partners“ klingt ja erst einmal ganz nett als Firmenname, obwohl es für das misstrauische Juristenohr schon ziemlich nach Euphemismus riecht. Und so ist es auch, wie auf Wired zu lesen ist. Dabei ist das Geschäftsmodell der Firma nicht ganz neu und missbraucht in betrügerischer Absicht YouTubes Schutzmechanismus vor Urheberrechtsverstößen, um an fremden Inhalten zu verdienen: Um es den Rechteinhabern nämlich zu vereinfachen, ihre Unterlassungsansprüche gegen rechtswidrig eingestellte Inhalte bei YouTube anzumelden, wurde ein automatisiertes Meldesystem installiert.

Dort kann die Contentindustrie ihre Werke anmelden, so dass diese mit Dateien abgeglichen werden, die von Usern hochgeladen werden. Wird ein als urheberrechtlich geschützt registriertes Werk von dem Filter erkannt, kann der Rechteinhaber das Video entfernen lassen oder Werbung auf dem Video plazieren und dadurch an der Verwertung teilhaben.

Jetzt kommen aber die „Netcom Partners“, eine Firma, die ihr Unwesen aus Malaysia betreibt und die, wie schon aus dem Firmennamen hervorgeht, daran interessiert ist, Partner zu finden, nämlich solche, an denen sie sich bereichern kann: Sie sucht nach häufig angeklickten Videos, meldet diese bei YouTubes Filter-System als ihr eigenes Werk, lässt dort Werbung einblenden und erhält einen Teil der Werbeeinnahmen.

Der vermeintliche Urheberrechtsverletzer, also der User, der das vermeintlich rechtsverletzende Video auf YouTube hochgeladen hat, wird zwar von den Rechtsansprüchen an dem Werk informiert und kann dem unterstellten Rechtsverstoß widersprechen, so dass die Inhalte gegebenenfalls gleich wieder freigegeben werden. Doch oft, so Wired, seien die YouTube-Nutzer zu eingeschüchtert dazu.

Falsche Copyright Claims und in diesem Zusammenhang ungerechtfertigte Ansprüche sind so alt wie das Urheberrecht selbst. Interessant ist aber in dem konkreten Fall, dass der YouTube-Filter von der malaysischen Firma, deren Webauftritt schon bei oberflächlicher Betrachtung evident unseriös daherkommt, überhaupt missbraucht werden konnte, so dass das eigentliche Problem darin zu liegen scheint, dass Google sein Filtersystem nur unzureichend kontrolliert.

Google selbst habe Anfragen, fast ist man geneigt zu sagen „wie gehabt“, mit dem Verweis auf die Firmenpolitik abgewiesen, so Wired.

Urheberrecht: Was Sascha Lobo mit Siegfried Kauder zu tun hat

Geschrieben von K. Kopp am . Gepostet in Digital.

Also ich will hier gerne kurz zu Beginn bekennen, dass mir dieser Sascha Lobo irgendwie suspekt vorkam und am Ende des Tages natürlich immer noch vorkommt, ganz wird sich das wohl nie beheben lassen. Das liegt aber, wie ich in letzter Zeit und nachdem ich mir angewöhnt habe, seine Kolumne auf Spiegel Online wenigstens zu überfliegen, feststellen musste, tatsächlich nur daran, dass er wirklich sehr albern ausschaut und man sich gar nicht vorstellen mag, was alles in einem vorgeht, der sich vorsätzlich optisch so zum Affen macht.

Ich will hier aber genauso gerne bekennen, dass sich der Grad meiner Abneigung, nein, falsches Wort, äh, Verwunderung, hm, besser, aber immer noch nicht ganz passend, ah, ja, neutral genug: Bedenken, doch etwas relativiert hat, denn manchmal, das komme ich nicht umhin einzuräumen, ertappe ich mich bei gedanklichen Ovationen für den klaren Geist und die ebenso klaren Worte des Herrn Lobo.

Wie recht er nämlich hat manchmal, der Herr Lobo. Insbesondere was Siegfried Kauder betrifft: Fordert dieser Kauder dieser Tage doch tatsächlich Internetsperren bei wiederholter Urheberrechtsverletzung, lässt sich anschließend selbst beim Fotoklau auf seiner Website erwischen, relativiert seine Piraterie mit dem Hinweis, der Vorfall zeige doch, wie gut sein Modell funktioniere, sichert sich offenbar (exklusive) Nutzungsrechte an den Werken und kündigt an, selbst abzumahnen, wenn sich der nun seinem Nutzungsrecht unterstehenden Werke bedient würde.

Soweit, so gut. Wenn nicht dieser Siegfried Kauder, Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestages wohlgemerkt, in einer Stellungnahme zu dem Vorfall wörtlich gesagt hätte: „Ich bitte im Übrigen zur Kenntnis zu nehmen, dass die Urheberrechte an den beiden Fotos inzwischen mir zustehen. Dies als Warnhinweis für eine eventuelle Absicht, die Fotos im Rahmen ihrer Berichterstattung anderweitig verwenden zu wollen.“ Dass die Urheberrechte an den beiden Fotos ihm (!) zustehen?

EuGH verteidigt Binnenmarkt: Exklusive Pay-TV-Lizenzen gemeinschaftsrechtswidrig

Geschrieben von K. Kopp am . Gepostet in Analog, Digital.

Der EuGH hat heute im Rahmen eines Vorabentscheidungsverfahrens für Recht erkannt, dass territorial begrenzte Übertragungsrechte die Dienstleistungsfreiheit beeinträchtigen. Während sich also andernorts in Europa darüber gestritten wird, ob nun dem Euro quasi-konstitutive Bedeutung für den Fortbestand der Europäischen Union beikomme oder nicht, sorgt der EuGH mit dem Urteil, das ebenso mit Spannung erwartet wurde wie es vorhersehbar war, für die weitere Vollendung dessen, was Europa erst stark macht, nämlich des Binnenmarkts, denn dort wird der Euro verdient.

Als Teilnehmerin dieses Binnenmarkts wähnte sich auch die englische Wirtin Karen Murphy, als sie sich entschied, in ihrem Pub die Spiele der Premier League zwar zu zeigen, dabei aber statt der Gaststättenlizenz des britischen Pay-TV-Senders BSkyB auf einen Satellitendecoder des griechischen Anbieters Nova zu vertrauen, der die Übertragungsrechte für Premier-League-Spiele in Griechenland besaß. Ersparnis: Rund 6.000 Euro im Jahr.

Zwar müssen Lizenznehmer das Signal verschlüsseln und Maßnahmen gegen den Vertrieb von Decoderkarten außerhalb des Lizenzgebiets treffen, eine sinnvolle Lösung aber, Satellitensignale an der englischen Landesgrenze aufzuhalten, hat die britische Football Association Premier League ebenso wenig gefunden wie die Deutsche Fußballliga. Unbarmherzige Folge: Wegen der unterschiedlichen Preise für Fußball-Live-Abos in den einzelnen Mitgliedstaaten gelangen Decoderkarten doch über die Grenze, so wie in dem vorliegenden Fall von Griechenland nach England. Verständlich, dass die Football Association Premier League als Lizenzgeber territorial begrenzter Lizenzen für die Live-Übertragungen darüber nicht einmal am Rande amüsiert war, denn des einen finanzielle Freud ist ja des anderen finanzielles Leid.

Webdesign: Mangel oder eine Frage des guten Geschmacks ?

Geschrieben von K. Kopp am . Gepostet in Digital.

Webdesigner haben es heutzutage nicht leicht: Baukästen wie etwa der von 1&1 ermöglichen es, eine Website mit verhältnismäßig überschaubarem Aufwand und Kenntnissen selbst zu erstellen. Hinzu kommt, dass jeder jemanden kennt, der jemanden kennt, der sich rudimentäre Kenntnisse angeeignet hat und eine Website zum Nulltarif oder für ein Handgeld erstellt. Die Folge: Kaum jemand ist bereit, einen an Aufwand und gestalterischer Qualität orientierten Preis zu bezahlen.

Meist hat der potentielle Kunde kaum Vorstellungen, wie seine Website aussehen soll, überlässt die Gestaltung vertrauensvoll dem Webdesigner und erwartet etwas Hochwertiges zum Discountpreis. Sobald der Entwurf fertig ist, hat der Auftraggeber regelmäßig und plötzlich viele Ideen und Änderungswünsche an dem Design, das ihm nicht wirklich gefällt.

Eine Konstellation, in der Rechtsstreit vorprogrammiert ist: Der Mehraufwand kostet Zeit und damit Geld, das der Kunde aber nicht bezahlen möchte. Wie sieht die Sache rechtlich aus?