Webdesign: Mangel oder eine Frage des guten Geschmacks ?

Geschrieben von K. Kopp am . Gepostet in Digital.

Webdesigner haben es heutzutage nicht leicht: Baukästen wie etwa der von 1&1 ermöglichen es, eine Website mit verhältnismäßig überschaubarem Aufwand und Kenntnissen selbst zu erstellen. Hinzu kommt, dass jeder jemanden kennt, der jemanden kennt, der sich rudimentäre Kenntnisse angeeignet hat und eine Website zum Nulltarif oder für ein Handgeld erstellt. Die Folge: Kaum jemand ist bereit, einen an Aufwand und gestalterischer Qualität orientierten Preis zu bezahlen.

Meist hat der potentielle Kunde kaum Vorstellungen, wie seine Website aussehen soll, überlässt die Gestaltung vertrauensvoll dem Webdesigner und erwartet etwas Hochwertiges zum Discountpreis. Sobald der Entwurf fertig ist, hat der Auftraggeber regelmäßig und plötzlich viele Ideen und Änderungswünsche an dem Design, das ihm nicht wirklich gefällt.

Eine Konstellation, in der Rechtsstreit vorprogrammiert ist: Der Mehraufwand kostet Zeit und damit Geld, das der Kunde aber nicht bezahlen möchte. Wie sieht die Sache rechtlich aus?

Eine Vereinbarung zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber, wenn es darum geht, eine Website zu erstellen, ist ein Werkvertrag, das ist unschwer zu erkennen. Kommt es zur Kündigung oder zum Rücktritt durch den Auftraggeber, wird der Webdesigner seine ausstehende Vergütung einklagen müssen und das zuständige Gericht sich mit der Frage des guten Geschmacks oder der Mangelhaftigkeit im Rechtssinn zuwenden müssen.

Einen solchen Fall hatte das AG Celle (15a C 1978/10 vom 17.03.2011) vor kurzem zu entscheiden:

„Allein der Umstand, dass der von der Klägerin gelieferte Entwurf nicht den Vorstellungen der Beklagten im Hinblick auf Farbkombination, Fahrzeugtyp im Layout, Banner, Form der Elemente, Anordnung der Elemente, Zahlungsmittel, Hotline, Markenbezeichnungen, Hintergrund etc. entsprach, begründet kein Mangel des Werkes. Vielmehr ist ein Werk gemäß § 633 Abs. 2 BGB dann frei von Sachmängeln, wenn es die vereinbarte Beschaffenheit hat bzw. sich für die nach dem Vertrag vorausgesetzte, sonst für die gewöhnliche Verwendung eignet und eine Beschaffenheit aufweist, die bei Werken der gleichen Art üblich ist und die der Besteller nach Art des Werks erwarten kann.

Dass bezüglich der von der Beklagten beanstandeten Eigenschaften des Entwurfs bereits bei Vertragsschluss vorgelegen hätten, die der vorgelegte Entwurf nicht erfüllen würde, hat die Beklagte nicht dargelegt und bewiesen. Es entspricht sogar der vertraglichen Regelung zu B. VIII der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Klägerin, das hinsichtlich der künstlerischen Gestaltung des Auftrags Gestaltungsfreiheit der Klägerin besteht. Dass sich der von der Klägerin erstellte Entwurf nicht für die gewöhnliche Verwendung im Rahmen eines Online-Shops eignen würde oder nicht mittlerer Art und Güte entspräche, hat die Beklagte nicht behauptet; sie hatte lediglich vorgetragen, ihr gefalle der Entwurf nicht.“

Ist dem vorliegenden Fall war die Gestaltungsfreiheit im Rahmen der AGB dem Webdesigner vorbehalten, so dass sich das Gericht nicht mit der Frage eines Anspruchs auf Nachbesserung auseinandersetzen musste. Wer also in den AGB eine solche Klausel verwendet, muss sich vor einer Mangelrüge, die sich auf die Gestaltung des Werks bezieht, nicht sorgen. Aber auch ohne einen solchen Klauselvorbehalt wäre das Ergebnis nicht anders ausgefallen.

Professionelles Design ist nämlich keine Geschmacksfrage. Design folgt festen Regeln, und ein Designmangel liegt dann vor, wenn der Entwurf gegen diese festen Regeln verstößt und nicht mehr dem entspricht, was der Besteller erwarten darf oder von mittlerer Art und Güte ist.

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